Herausforderung Klimakrise

Wir leben in einer Welt ein Grad wärmer als sie noch unsere Großeltern und Urgroßeltern kannten. Ein Grad, das hört sich nicht nach viel an. Nach kaum spürbar. Aber das globale Klimasystem funktioniert anders als das tägliche Wetter.

Global entscheiden wenige Grad mehr oder weniger der mittleren Temperatur unserer Atmosphäre über Eis- oder Warmzeiten. Darüber ob sich von der Arktis aus Gletscher bis Berlin erstrecken oder ob der Meeresspiegel die pazifischen Inseln und die Megastädte der Küsten überflutet.

Gab es in der Erdgeschichte nicht schon oft Warm- und Eiszeiten. Ja, natürlich. Aber wir sollten uns fragen, wie haben sich die Veränderungen des Klimas auf die Lebensbedingungen ausgewirkt?

Die bisherigen rapiden Klimaveränderungen der Erdgeschichte hatten unterschiedliche Gründe aber eines gemeinsam: Das Zusammenbrechen der Ökosysteme und ein Massenaussterben der Tier- und Pflanzenarten. 

Der Treibhauseffekt

Was wir erleben: die schnelle Erwärmung unserer Erdatmosphäre wird verursacht von uns Menschen selbst. In den letzten 150 Jahren haben wir großflächig Wälder gerodet, unsere Landwirtschaft industrialisiert und begonnen massive fossile Rohstoffe zu verbrennen: Erdgas, Erdöl und Kohle.

In Deutschland besonders Braunkohle: Alte Wälder die über Millionen von Jahren gewachsen, zu Torf geworden und mit Sedimenten überdeckt überdauert haben. Den Kohlenstoff, den die Bäume und Farne damals, vor 5 bis 25 Millionen Jahren, aus der Atmosphäre gebunden haben, diesen verbrennen wir jetzt und der Kohlenstoff gelangt wieder, als Kohlenstoffdioxid oder kurz CO2 in unsere Atmosphäre. Wir beeinflussen so den Kohlenstoffkreislauf der Erde und verändern unser Klimasystem.

Der CO2 wirkt in der Atmosphäre als Treibhausgas. Hinzu kommen weitere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas. Diese Treibhausgase lassen die von der Sonne gesendeten Wärmestrahlen passieren, aber nicht die dann von der Erde abgestrahlten langwelligen Wärmestrahlen. Wie in einem Treibhaus staut sich die Wärme. Und je höher die Konzentration der Treibhausgase, desto wärmer wird die Erdatmosphäre.

Und so leben wir nun in einer Welt, die sich bereits um ein Grad erwärmt hat. Global geraten Ökosysteme unter Druck und Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. Und deswegen nutzen wir immer weniger das Wort Klimawandel. Wir befinden uns in einer Krise, einer Klimakrise. Und die bisherigen sichtbaren Auswirkungen sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf das was uns erwartet, wenn wir weiter ungebremst Treibhausgase emittieren.

Wenn wir nicht reduzieren, wenn wir weiter machen wie bisher, dann kann es bis Ende dieses Jahrhunderts zu einer Erwärmung um bis zu 4 bis 6 Grad kommen.

Die letzte große vergleichbare Erwärmung gab es vor ca 15.000 Jahren, als die letzte Eiszeit endete. Damals erwärmte sich das Klima um die 5 Grad, in einem Zeitraum von 5000 Jahren.

Der Mensch verursacht dieselbe Erhöhung in nur zwei Jahrhunderten. Die Auswirkungen sind global auf vielfältige Weise zu spüren. Hier ein paar Beispiele:

Artensterben

Diese rasante Geschwindigkeit der Erwärmung führt dazu, dass die Ökosysteme sich nicht schnell genug neu anpassen, Arten nicht schnell genug neue Lebensräume erschließen können. Es wird zu einem Massenartenaussterben kommen, ein dramatischer Verlust der Biodiversität. Wir erleben gerade den Beginn.

Unsere Landwirtschaft

Die Landwirtschaft wird aufgrund des Hitzestresses und Wassermangels weniger produzieren. Besonders in bereits trockenen oder subtropischen Gebieten in den Ländern des globalen Südens. Ein Beispiel ist die Sahel Region Afrikas, eins der von der Klimakrise am stärksten betroffenen Regionen auf der Erde. Unaufhaltsam breiten sich hier die Wüstensande der Sahara aus und verschlechtern die ohnehin schon extremen Lebensbedingungen für die Bevölkerung. Ein bekanntes Beispiel ist der Tschadsee am südlichen Rand der Sahelzone. Seit 50 Jahren trocknet er unaufhaltsam aus und hat mittlerweile 90% seiner früheren Größe verloren. [i]

Die Menschen kämpfen um das wenige Wasser und nutzbare Land. Konflikte, zwischen jenen, die Landwirtschaft betreiben und jenen die mit ihren Herden vorbeiziehen, nehmen rapide zu. Die Klimakrise, sie verschärft bereits jetzt bestehende gewaltsame Konflikte und schürt neue.

Gesundheit

Krankheiten wie Dengue Fieber und Malaria werden sich mit steigenden Temperaturen stärker ausbreiten und Regionen erreichen, die bisher zu kühl für die Erreger waren. 

Gletscherschmelze

Weltweit verlieren die Gletscher an Masse mit negativen Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. Andenstädte wie Quito in Ecuador sind anhängig von ihnen. Verschwinden die Gletscher ist die Trinkwasserversorgung von Millionen gefährdet. [ii]

Der Amazonas

Der Amazonasregenwald wird zur Steppe. Die höheren Temperaturen, der höhere CO2 Gehalt in der Luft und die Entwaldungen werden dazu führen, dass die Regenwälder des Amazonasbeckens zu einem trockenen Buschland, zu einer Steppe werden.

Die Auswirkungen der Klimakrise sind in vielen Regionen der Welt grausame Realität. Sie treffen besonders Menschen in den Ländern des globalen Südens. Menschen, die am wenigsten Treibhausgase verursachen und die nicht die Klimakrise verschulden. Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, von Subsistenzwirtschaft und funktionierenden Ökosystemen direkt abhängig sind.

Besonders: Frauen. Nicht weil sie „schwächer“ sind als Männer. Frauen sind anders von den Folgen der Klimakrise betroffen, weil sie aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung weniger Zugang haben zu staatlicher Infrastruktur, medizinischer Versorgung, Bildungs- und Einkommensmöglichkeiten. Und sie haben weniger Zugang zu Entscheidungsstrukturen. Jene die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, haben kaum Mitsprache über die Umsetzung von Klimaschutz.

Die Klimakrise verstärkt bestehende Ungerechtigkeit. Eine progressive Klimapolitik ist deshalb eine zentrale Frage der globalen Gerechtigkeit.

Als Verursacher, hier im Norden, ist es unsere Verantwortung Klimaschutz umzusetzen und unsere Art zu leben, zu konsumieren und zu wirtschaften radikal zu verändern. Die Klimakrise aufzuhalten ist die Herausforderung unserer Generation.

Laut dem UN-Weltklimarat können wir es noch schaffen die Erwärmung der Atmosphäre auf 1,5 Grad zu begrenzen, wenn wir bis zum Jahre 2030 50% unserer Emissionen reduzieren. Um dies zu schaffen müssen wir jetzt beginnen.

Klimaschutz bildet die Grundlage, ohne den wir eine gerechtere Welt nicht aufbauen können. Die Umsetzung von Klimaschutz geht Hand in Hand mit dem Aufbau einer nachhaltigen, ökologischen und solidarisch handelnden Weltgemeinschaft.


[i] (https://www.bbc.com/news/world-africa-43500314)

[ii] https://www.theguardian.com/global-development/poverty-matters/2010/sep/22/ecuador-water-climate-change-vidal

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